Ideation Space «Out of Office – into the Flow?”

In Kooperation mit Wunderraum und Barbara Josef von 5-9 eröffnete Mitte März ein neuer Ideation Space. Das neue Wunder Labor kann jetzt im Pfäffiker Co-Working gebucht werden. Im Interview mit Barbara Josef erfahren Sie, warum Kreativräume wie dieser aus der heutigen Arbeits- und Lernwelt nicht mehr wegzudenken sind.

Was ist ein Ideation Space genau?

Barbara Josef: Als «Ideation Spaces» werden Räume bezeichnet, die unterschiedliche Phasen in Kreativitätsprozessen unterstützen. Wichtig ist dabei, dass der Raum nichts vorgibt, aber alles ermöglicht. Dazu gehört zum einen, dass die Einrichtung mobil ist und die Benutzer sich den Raum so aneignen, dass er zur jeweiligen Arbeitsform passt. Deshalb findet man im Ideation Space oft leichte Materialien und Elemente auf Rollen. Zum andern bietet ein Ideation Space ganz viel Raum und Material zum Entwickeln, Gestalten, Verwerfen und Verfeinern von Ideen. Beispiele sind grosse Whiteboard-Flächen, Lego Serious Play oder Prototyping-Hilfsmittel.

Warum brauchen wir solche Räume?

Der Raum prägt die Zusammenarbeit stärker, als uns oft bewusst ist und entsprechend kann er gewisse Prozesse unterstützen oder hemmen. Genauso wichtig ist aber auch das Ausbrechen aus der Alltagsroutine. Ideal ist zudem, wenn der Ort zum thematischen Fokus passt. Ich merke das besonders deutlich beim Unterrichten. Wenn wir über neue Arbeitswelten in einem Schulzimmer sprechen, fehlt ein Teil der Sinne. Wenn ich die Klasse stattdessen beispielsweise in den Wunderraum «entführe», entsteht etwas ganz Besonders, weil sich Theorie und persönliche Erlebnisse zu etwas Magischem verbinden.

Wie wird in einem Ideation Space gearbeitet?

Etwas vereinfacht gesagt kann man sagen, das die Teilnehmenden in unterschiedlichen Formaten an Aufgaben arbeiten und sich immer wieder austauschen, bevor sie die nächste Etappe in Angriff nehmen. Ideation Spaces werden oft mit der iterativen Vorgehensweise, wie wir sie von der Design Thinking Methodik kennen, in Verbindung gebracht. Mich interessiert die aktuelle Methodengläubigkeit nicht gross – im Wesentlichen geht es darum, dass man die Zusammenarbeit so inspirierend gestaltet, dass alle Beteiligten motiviert sind, sich und ihre Gedanken einzubringen, so dass etwas Grösseres entsteht.

Wie reagieren die Teilnehmenden in einem solchen Umfeld?

Das ist ganz unterschiedlich. Einige nutzen die Angebote sofort und beginnen, mit dem Material zu experimentieren, andere vermissen zu Beginn die Sicherheit, die ein tradtionelles Sitzungszimmer bietet. Spätestens wenn alle an der Aufgabenstellung arbeiten wird klar, was der wahre Wert dieses Raums ist. Er unterstützt nicht nur kreative Arbeit, sondern bietet auch die Möglichkeit, sich immer wieder gegenseitig auszutauschen und auf niederschwellige Weise Impulse zu teilen. Ich mag das Bild einer Bühne, die per se nicht spannend ist, aber sobald Menschen darauf gemeinsam ein Stück inszenieren, entsteht etwas Neues und Einzigartiges.

Was ist bei der Organisation und Vorbereitung eines Workshop in einem Ideation Space zu beachten?

Wie bei jedem Vorhaben steht das Ziel, das man gemeinsam erreichen möchte, im Vordergrund. Erst dann geht es um die Frage der Methodik und des Raums. Die Arbeit in einem Ideation Space macht vor allem Sinn, wenn man am Anfang eines ergebnisoffenen Prozesses steht. Denkbar ist auch, dass man ein Innovationsvorhaben «auslagert», d.h. eine Projektgruppe trifft sich nicht im Büro, sondern nutzt einen externen Ideation Space als Ankerpunkt.
Ein Thema, das mir über den Raum hinaus besonders am Herzen liegt, ist die Kommunikation. Bei jedem Vorhaben ist es wichtig zu klären, was das Ziel der Zusammenarbeit ist, welche Rolle die Beteiligten spielen und wie die konkreten nächstens Schritte aussehen. Wenn man «nur» Ideen generieren soll, ohne zu wissen, was nachher damit passiert, ist das weder wertschätzend noch motivierend.

Was empfiehlst du Teams, die bisher klassisch in Schulungsräumen gearbeitet oder gelernt haben?

Meist lohnt es sich, zu Beginn eine externe Begleitung beizuziehen, welche bei der methodischen Gestaltung hilft und einen Prozess sanft im Hintergrund moderiert. Idealerweise baut man diese Kompetenz mittelfristig in der eigenen Organisation auf. Dies ist gar nicht so schwierig; momentan absolvieren viele Mitarbeitende Weiterbildungen in Design Thinking oder verwandten Bereichen. Für diese ist es höchst motivierend, wenn sie das Erlernte anwenden können und so ihre Kompetenz sichtbar wird.

Was bedeuten die Begriffe #Colaboration #Cocreation #Colearning für dich?

Das «Co» bedeutet, dass wir im Verbund mehr erreichen als alleine. Viele Firmen sind dabei, sich radikal neu zu erfinden um ihre Zukunftsfähigkeit im digitalen Zeitalter zu sichern. In welche Richtung diese Reise gehen soll, wissen die meisten zu Beginn nicht. Es ist daher wichtig, aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven auf eine Herausforderung zu blicken und dabei auch Menschen zu involvieren, die täglich mit Kunden und Partnern zusammenarbeiten. Mitarbeitende, die ehrlich in Veränderungsprozesse eingebunden werden, identifizieren sich stärker mit der Organisation, was wiederum zu einem höheren Engagement führt. Ich wünsche mir, dass wir die aktuelle Umbruchphase dazu nutzen, unsinnige Dinge – wie das antiquierte Verständnis von Change Management – über Bord zu werfen und echte Mitgestaltung zu fördern und fordern.

Dr. Barbara Josef
Co-Founder, 5to9 AG

Barbara Josef hängte Ende 2015 ihren Job als Kommunikationsleiterin und Geschäftsleitungsmitglied von Microsoft an den Nagel um sich mit 5to9 selbständig zu machen. In ihrer Funktion bei Microsoft verantwortete sie unter anderem auch das gesellschaftliche Engagement und war massgebend bei der Transformation in neue Arbeitswelten. Ihre grösste Leidenschaft gilt dem Thema Zukunft der Arbeit – insbesondere den Veränderungen auf Ebene Individuum und Team, welche sie in unterschiedlichen Organisationen begleitet.

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